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NaturFreunde Selb e.V.
  
Verfall und Erhaltenes nebeneinander. An wenigen Stellen im Landkreis lässt sich dies so gut erkennen wie am Egerufer östlich von Hohenberg. Wo einst mehrere hundert Menschen wohnten, präsentiert sich neben Ruinenresten heute ein gut betreutes Stück schützenswerter Natur. Einen Namen teilen Kultur und Natur: Rathsam. So hieß eines von drei Dörfern am Nordufer der Eger. Und so heißt heute ein Naturschutzgebiet östlich von Hohenberg auf beiden Seiten der Staatsgrenze im Grünen Band.
Günther Heinrich kennt Geschichte und Natur. Und bei einem Heimatspaziergang der NaturFreunde Selb brachte er beides mehr als 20 Interessenten vor Ort näher. „Verschwundene Dörfer an der Eger“ lautete der Titel der Veranstaltung. Deren Reste sind zu finden entlang des Weges, der von der Hammermühle am tschechischen Egerufer entlangführt. Doch nicht nur jenseits des früheren eisernen Vorhanges hatte der zweite Weltkrieg Spuren hinterlassen.
Bei einem Blick aus ungewöhnlicher Perspektive erinnerte Heinrich daran, dass auch die Burg Hohenberg am Ende des Krieges große Schäden erlitten hatte: „Torbogen mit Brücke und die anschließende Mauer waren ein einziger Steinhaufen und wurden glücklicherweise hervorragend rekonstruiert“. Amerikanische Bomber waren es, die in den letzten Kriegstagen auf Hohenberg zielten.Drei Menschen kamen ums Leben. Den Schlusspunkt habe erst der damalige Bürgermeister gesetzt: „Er suchte in seinem Schrank nach dem größten weißen Betttuch, hängte es an sein Haus und signalisierte somit die Kapitulation
Danach schlugen die Alliierten eiserne Grenzen, die jahrzehntelang hielten. „Die Natur aber kennt gottseidank keine politischen Barrieren“, betonte Heinrich. So finden sich dies- und jenseits der Eger Mineralquellen. Gegenüber dem bekannten Carolinenbrunnen und Hohenberg steht auf tschechischer Seite eine weitere gefasste Quelle. „Nicht ganz so intensiv wie gegenüber“ schmecke das Wasser, urteilten einige Wanderer, die das Heilwasser testeten. Es tritt übrigens nirgends in der Welt in solcher Breite auf wie an der Eger. „Wir haben hier die weltweit höchste Dichte an Mineralquellen“, erklärte Heinrich. Sie reiche vom Fichtelgebirge bis in den Raum Karlsbad.
An der Mündung des Liebensteiner Baches vorbei, wanderten die NaturFreunde in das Gebiet Rathsam – wo die Röslau ihre Wasser der Eger übergibt. Diese „landschaftlich wunderbare“ Gegend pflegt Günther Heinrich mit weiteren ehrenamtlichen Helfern des Bundes Naturschutz. Das Besondere: Im Frühsommer entsteht an Eger und der Röslau vorübergehend ein Sumpfgebiet, der ideale Raum, damit sich Frösche und Kröten vermehren können.  
Früher haben sich hier auch Menschen vermehrt. Das Dorf Rathsam hatte vor dem Krieg etwa 100 Einwohner. Doch wie auch die Nachbar- Siedlungen machte sie die Regierung der CSSR ob der unmittelbaren Grenznähe nach dem Krieg dem Erdboden gleich.  Lediglich einige Ruinenreste zeugen noch von der einstigen Besiedelung.
Das zweite, nahezu gleichgroße Dorf war bestenfalls eine halbe Gehstunde entfernt und hieß Böhmisch Fischern. Zum deutschen Nachbarort in Rufweite führt heute noch eine intakte Brücke, die allerdings nicht ganz leicht zu finden ist. Der dritte Ort der Kette ist vermutlich der älteste: Markhausen wurde bereits im 12. Jahrhundert gegründet, gehörte zum Kloster Waldsassen und ist damit älter als etwa die Stadt Selb. Der Ortsname beschreibt wörtlich Häuser, die Grenzen markieren.
Und Markhausen hat bis heute die deutlichsten Spuren hinterlassen – in Form des Turmes einer Festung, die einst auch als auch als Mühle gedient hat.  Heimatbewusste Bewohner eines tschechischen Vereins haben dieses burgartige Gebäude saniert und erhalten. Über dreihundert Jahre lang, von 1629 an, gehörte Markhausen zur Freistadt Eger und hatte im Jahr 1847 122 Einwohner, die in 33 Anwesen lebten. Nach 1946 erhielt Markhausen den tschechischen Namen Pomezna – was auch die Zugehörigkeit zur naheliegenden Gemeinde Pomezi, zu deutsch Mühlbach, andeutet.
In Markhausen lag auch die Brotzeit- und Endstation der heimatkundlichen Wanderung der NaturFreunde. Auf dem Rückweg fielen den Besuchern allerdings noch weitere historische Bauwerke auf. Zum einen flache Betonkästen am steilen Hang: tschechische Bunker, die der Grenzsicherung dienten – und lange, viereckig verkleidete Betonrohre. Sie erinnern daran, dass in diesem Bereich zwischen 1938 und 1940 an einer Sudentenautobahn gebaut wurde, die Gefrees mit Karlsbad verbinden sollte. Es gäbe also noch einen Grund, in diesen historischen Raum ein weiteres Mal einzutauchen.
„Verschwundene Dörfer an der Eger “
(Bericht und Fotos von Wolfgang Neidhardt)
Die Wandergruppe
Rast am sanierten Festungsturm